Vorwort Erich Riegler

Blasmusik im Wandel der Zeit auf dem Weg in die Zukunft
Vor etwa 30 Jahren habe ich als junger Obmann zum ersten Mal Hauptverantwortung für einen Musikverein übernommen, nachdem ich bereits 13 Jahre zuvor als Schlagzeuger und später auch als Stabführer musikalisch tätig war. Das aktive Musizieren ist für mich nach wie vor wichtig, obwohl ich im Laufe der Jahre etliche Funktionen im Blasmusikbereich bekleiden durfte und viel Zeit dafür investiert habe. Mit einer Dauer von 15 Jahren habe ich nachhaltige Aufbauarbeit in der Verbandsverwaltung als Bezirks-EDV-Referent geleistet, um folglich im Steirischen Blasmusikverband elf Jahre lang als Landes-EDV-Referent Aufbauarbeiten durchzuführen. Nach eineinhalb Jahren als Landesobmann-Stellvertreter und darf ich seit April 2015 dem Steirischen Blasmusikverband als Landesobmann vorstehen. Die ersten drei Jahre in dieser Funktion haben sogleich auch ins Rotationssystem des ÖBV-Präsidenten geführt und mir wurde diese verantwortungs- und ehrenvolle Funktion anvertraut. Seit 2012 kann ich auf Basis meiner beruflichen Expertise im IT-Bereich auch in die Funktion des Bundes-EDV-Referenten einbringen. Diese Historie zeigt, dass ich etliches an Erfahrungen sammeln konnte und das österreichische Blasmusikwesen auf allen Ebenen und in seinen Facetten ganz gut kenne. Die Leidenschaft dazu hat mich bewegt, die Funktion des ÖBV-Präsidenten auszuüben. 
Im Wandel der Zeit ist allerdings auch festzustellen, dass sich die Bedingungen, in dessen Rahmen wir unsere zumeist ehrenamtlich-geführten Musikvereine betreiben, stark geändert haben. Als junger Obmann hat man manche gesetzliche Bestimmung wahrscheinlich nicht ganz so ernst genommen. Vieles war vor 30 Jahren auch bestimmt nicht so einschränkend wie es heute der Fall ist. Inzwischen wurden viele gesetzliche Bestimmungen einengender und etliche neue sind hinzugekommen.

Aber auch etliche positive Entwicklungen konnte ich in den vergangenen Jahrzehnten mit verfolgen: 
Die Musikausbildung und als Resultat davon, hat die musikalische Qualität der Musikvereine bemerkenswert zugenommen. Parallel dazu haben sich die Blasmusikverbände auf allen Ebenen bis hin zum Bundesverband ÖBV weiterentwickelt und bieten Unterstützung und einen breiten Informationsfluss zu vielen Themengebieten an. Daher sehe ich es als wesentliche Hauptaufgabe des ÖBV, an den Rahmenbedingungen zu arbeiten, ein gewisses Lobbying für das Blasmusikwesen zu betreiben bzw. aufzubauen und durchaus zu versuchen, gesellschaftliche bzw. gesetzliche Entwicklungen im Sinne der Blasmusik zu beeinflussen.

Als zweiten großen Ansatzpunkt in der Verbandsarbeit sehe ich die Imagepflege und die Öffentlichkeitsarbeit, die sich mit dem Zeitgeist weiterentwickeln sollte, um der Öffentlichkeit aufzuzeigen, wie vielseitig, musikalisch-hochwertig, traditionsverbunden und innovativ Blasmusik mittlerweile ist. Die Zusammenarbeit zwischen den Landes- und Partnerverbänden gilt es weiter zu forcieren, Gemeinsames und Verbindendes ist verstärkt zu fördern und unnötige Unterschiede sind zu minimieren. Trotzdem ist unsere bunte Vielfalt wichtig und zeichnet uns aus. Daher sollten weiterhin regionale Besonderheiten berücksichtigt und gefördert werden.
Die Arbeitsansätze für den ÖBV sind breit gefächert, daher benötigt es neben dem Präsidenten auch ein gutes Team an Fachreferenten im Präsidium. In der musikalischen Entwicklung gilt es, die österreichischen Besonderheiten hervorzuheben und nicht dem internationalen Mainstream unterzuordnen, es gilt Traditionen zu bewahren, aber trotzdem der Intention des Bundeskapellmeisters Prof. Walter Rescheneder "Blasmusik NEU denken" breiten Raum zu geben. Unsere Aufgabe und Verantwortung besteht darin, Kindern und Jugendlichen in der gesellschaftspolitischen Gestaltung und in bildungspolitischen Umsetzung weiterhin genügend Zeit und auch Raum zur Verfügung zu stellen, damit sie sich mit Musik beschäftigen und vor allem ein Instrument erlernen können. 
Seitens der Österreichischen Blasmusikjugend unter der Ägide von Bundesjugendreferent Helmut Schmid werden weiterhin sehr bewährte Einrichtungen wie die Leistungsabzeichen und andere Anreizsysteme geboten werden. Dem bisherigen Engagement im Jugendteam folgend dürfen wir mit außergewöhnlichen Ideen für besondere Projekte rechnen. in wichtiges Ziel ist die finanzielle Absicherung des ÖBV, damit weiterhin die bewährten Leistungen, wie die österreichischen Blasmusikwettbewerbe in den verschiedenen Ausrichtungen angeboten werden können. Wertungsspiele und die damit verbundenen Wettbewerbe sind seit längerem gut ausgerichtete Bildungseinrichtungen, die den Musikkapellen die Möglichkeiten bieten, mit Zielen im messbaren und vergleichbaren Sinne an ihrer musikalischen Qualität zu arbeiten. Das geschieht besonders in verschiedenen Schwierigkeitsstufen und auch unterschiedlichen Genres, wie den klassischen Konzertwertungen oder der "Musik in Bewegung", dem "Polka, Walzer, Marsch Wertungsspiel", den "Jugendblasorchester-Wettbewerben", dem Ensemble-Wettbewerb "Musik in kleinen Gruppen" und in anderen in den Landesverbänden entstehenden neuen Ansätzen.
Die anfangs erwähnten Rahmenbedingungen zeigen, dass es großen Sinn macht, Unterstützung für die vielfältige Arbeit der Musikvereine zu bieten, weil nicht jeder "das Rad neu erfinden" soll. Daher ist neben den Landes- und Partnerverbänden die Serviceorganisation des ÖBV von hoher Wichtigkeit. Die Bundesgeschäftsstelle des ÖBV und der ÖBJ, mit sehr kompetenten und engagierten Mitarbeiterinnen leistet in diesem Sinne ausgezeichnete Arbeit. Diese wertvolle Einrichtung gilt es ebenso abzusichern.
Die Palette der österreichischen Blasmusik ist breit gefächert. Es gibt in den Musikkapellen unterschiedlichste Anforderungen und Ausrichtungen. Beispielsweise wird in Tourismusorten mit unzähligen Auftritten Unterhaltungsmusik oder auch klassische Blasmusik geboten. Andere spezialisieren sich auf Symphonische Blasorchesterliteratur. Und nahezu alle Musikvereine haben die Aufgabe der Begleitung von örtlichen Anlässen im Jahreslauf. Die Beispiele ließen sich weit fortsetzen. Diese Diversität ist ein wichtiger Garant gegen einen "Einheitsbrei" und somit auch ein besonderer Vitalitätsfaktor für die österreichische Blasmusik. Daraus schließen wir auch, dass man in der Blasmusik nicht alles reglementieren kann und darf, sondern die Vielfalt an Ideen und Weiterentwicklung zugelassen werden muss.
Im Jahr 2004 wurde für die ÖBV-Präsidentschaft, aus Ermangelung der Bereitschaft einer Person die Funktion für drei Jahre anzunehmen, das sogenannte "Rotationsprinzip" eingeführt, wonach wechselnd über die neun Landesverbände jedes Jahr das Vorschlagsrecht für die Wahl des Präsidenten rotierte. Dieser häufige Wechsel hat wesentliche Nachteile, sodass ich mich entschlossen habe, für eine Periode von drei Jahren zur Verfügung zu stehen, weil die oben angeführten Punkte wesentlich besser und nachhaltiger behandelt werden können, wenn in der Präsidentschaft mehr Beständigkeit stattfindet.

Es ist eine besondere Ehre in der Position des Präsidenten des Dachverbandes für die Blasmusik in Österreich tätig zu sein, wenngleich damit eine hohe Verantwortung zu tragen ist. Die ehrenamtliche Arbeit macht aber für die tolle Sache große Freude, weil man dabei mit weit über einhunderttausend gleichgesinnten Blasmusikerinnen und Blasmusiker gemeinsam an der Umsetzung der Ziele arbeiten kann. Es scheint mir weiterhin besonders wichtig zu sein, durchaus kritisch auf dieser Dachverbandsebene gesellschaftspolitische Punkte aufzugreifen, aber dabei nicht parteipolitisch zu agieren und auf der Basis der ehrenamtlichen Tätigkeit die Motivation aller zu fördern.
Die Evolution hat uns darauf getrimmt in erster Linie das im Auge zu haben, was mangelhaft und unzulänglich ist und weniger darauf, was in Ordnung ist und funktioniert. Ich möchte die Arbeit dieser Präsidentschaft  unter den folgenden Satz stellen: "Wer nicht will findet Gründe, wer will findet Wege."



Erich Riegler
Präsident des Österreichischen Blasmusikverbandes

 

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