Ed de Boer im Interview

Der Niederländer Ed de Boer ist Komponist, Musikpädagoge, Dirigent und Pianist. Der Österreichische Blasmusikverband konnte Herrn De Boer bereits zum zweiten Mal für die "Komponisten-Werkstatt", die im Zuge des "Österreichischen Blasmusikforums" angeboten wird, gewinnen. Im Portrait verrät uns Ed, mit welchen Aufgabenstellungen Komponistinnen und Komponisten heute konfrontiert werden, was einen guten Komponisten ausmacht und was ihm an der Arbeit als Lehrbeauftragter für Blasorchesterkomposition besonders fasziniert.

Ed de Boer ist niederländischer Komponist, Musikpädagoge und Pianist und auch unter dem Pseudonym Alexander Comitas bekannt.

Lieber Ed, die Arbeit als Komponist bzw. Komponistin ist besonders vielseitig. Das Genre Blasmusik hat sich im Kompositionsschaffen in den letzten Jahren stark verändert und weiterentwickelt. Mit welchen Aufgabenstellungen sind junge Kompositionsschaffende heute besonders konfrontiert?
"Beim Komponieren von Musik gibt es zwei Ebenen, inbegriffen der Fähigkeiten eines Zimmermanns: Man muss dazu imstande sein, sehr geschickt mit Hammer, Nägeln, usw. umzugehen und darüber hinaus ist es wichtig, dass man beispielsweise einen Tisch oder einen Schrank schön zu gestalten weiß. Meiner Erfahrung nach, haben viele junge Komponistinnen und Komponisten Schwierigkeiten mit der ersten Ebene. Das ist sehr verständlich, weil es heute kaum noch eindeutige musikalische Gesetze gibt, im Gegensatz zu früheren Zeiten. Ich werde in Ossiach einen Vortrag über dieses Thema halten, weil es mir sehr wichtig ist." 

Du bist Musikpädagoge, Dirigent, Pianist und  Lehrbeauftragter für Blasorchesterkomposition am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg. Welche Zugänge zum Komponieren versuchst du jungen Menschen zu vermitteln, die besonders für Blasorchester komponieren?
"Ausgangspunkt ist für mich, dass die geschaffene Musik praktischen Nutzen hat, das heißt: Dass die Werke gut geschrieben sind und dabei spielbar und genießbar sind. Wenn man dazu imstande ist, ein Stück zu komponieren, dass vielleicht nicht das höchste Level hat, dafür aber den Musikerinnen und Musikern einer Musikkapelle und dessen Zuhörern ein Vergnügen bereiten kann, dann bin ich damit mehr als zufrieden."

Zahlreiche Werke und Musikstücke werden gegenwärtig für Blasorchester arrangiert. Wie stehst du zu Arrangements und Bearbeitungen versus Originalkompositionen?
"Ich finde das ganz OK. Man kann somit Kompositionen des großen Repertoires sowohl als Musiker als auch als Zuhörer kennenlernen. Es ist aber wichtig, dass eine Bearbeitung gut gemacht worden ist und dass die ausgewählte Komposition zur Bearbeitung geeignet ist."

Bereits zum zweiten Mal konntest du dieses Jahr als Dozent für das "Österreichische Blasmusikforum" gewonnen werden. Was fasziniert dich besonders an der Arbeit mit Kompositionsschaffenden?
"Im Allgemeinen betrachte ich das Fördern von Kreativität als besonders wichtige und lohnende Arbeit. In meinem Fall bedeutet da, Hilfestellung beim Komponieren zu geben. Ich habe das Glück gehabt, vieles auf diesem Gebiet gelernt und auch selber erfahren zu haben. Manchmal auch durch Fehler. Das alles weiter geben zu können bereitet mir großes Vergnügen."
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