SBO Pongau: Symphonie der Hoffnung

URAUFFÜHRUNG
FASSUNG 2011

Thomas Doss

Symphonie der Hoffnung

Dirigent: Klaus Vinatzer
Sinfonisches Blasorchester Pongau | Harri Stojka und Band
Christiane Schober, Sopran | Agnes Wimmer, Alt
Nach einer Idee von Hans Mayr, Texten von Erich Fried und Mongo Stojka,
sowie einem Exposé von Michael Mooslechner.
www.symphoniederhoffnung.at

14. OKT. '11 · 19.45 UHR
ST. VINZENZ-HEIM, SCHWARZACH

EINTRITT FREI! | ACHTUNG: BEI STARKEM REGEN KANN DIE SYMPHONIE DER HOFFNUNG NICHT AUFGEFÜHRT WERDEN.

Franz Liszt
Les Preludes

Das Werk wurde 1854 fertiggestellt, im 2. Weltkrieg politisch enteignet und dadurch in einen neuen Zusammenhang gestellt und korrumpiert, als 1941 die Nationalsozialisten in Deutschland ein akustisches Signal für Wehrmachtsmeldungen im Krieg gegen die Sowjetunion brauchten.
Während also die Nationalsozialisten Leningrad belagerten, zu dessen Drama Schostakowitsch seine Siebte Sinfonie schrieb, bekamen die Deutschen in der Heimat am „Volksempfänger” mit einer Passage aus Liszts „Les Préludes”, der „Rußland-Fanfare” wie man sie auch nannte, „Erfolgsmeldungen” von einem vermeintlich „siegbaren” Krieg.
Unser Zugang:
„In Erinnerung an die Geschehnisse vor 60 Jahren und in der Überzeugung, das Werk von negativen Assoziationen zu befreien, ohne jemals deren eigentlichen Auslöser zu relativieren.”

Thomas Doss
Symphonie der Hoffnung
Fassung 2011

in drei Sätzen für
symphonisches Blasorchester, Sopran- und Altstimme
nach einer Idee von Hans Mayr, Texten von Erich Fried und Mongo Stojka, sowie einem Exposé von Michael Mooslechner

Prolog
„Was war das? Was war das für eine Bahn...?” Der Text des Frageliedes von Erich Fried wird das Stück hindurch begleiten und soll in ergreifender Naivität immer wieder die schrecklichen Szenen hinterfragen und die Geschehnisse vor Augen halten. St.Johann steht keineswegs für sich allein,
sondern in diesem Fall für ganz Österreich! Das Kriegsgefangenenlager steht für all die Verbrechen des Nationalsozialismus in unserem Heimatland.
Thomas Mulitzer schrieb im Jahr 2006 in seiner Fachbereichsarbeit (8. Stufe des musischen Gymnasiums St.Johann) unter anderem:
„Die musikalische Verarbeitung einer dunklen Vergangenheit! Die „Symphonie der Hoffnung” besteht aus drei Sätzen und weist nicht die Form einer klassisch-romantischen Symphonie auf.
Thomas Doss hat mit diesem Werk alle Genregrenzen gesprengt. Durch Einbeziehung zahlreicher Elemente aus der slawischen, jiddischen und orientalischen Musik, durch das Verwenden von
sowohl Jazzelementen als auch alpenländischer Volksmusik, durch Besonderheiten wie singende Orchestermitglieder oder der Verwendung eines Synthesizers schuf er eine universelle Tonsprache,
die keinerlei Grenzen zieht.”

1. Krisis

Ende des 1. Weltkriegs - gespannte Atmosphäre. Über das schmerzvolle Klagen der enttäuschten Menschen. Abschaffung der Demokratie – Bürgerkrieg – Ständestaat – Diktatur - immer mehr Anhänger bei den Nationalsozialisten. Eine melancholische Flötenmelodie erhebt sich über
das Elend und führt das Orchester nach und nach in einen dramatischen Aufschrei. Eingeleitet von Fernflügelhörnern tritt der Sopran zum ersten Mal im Takt 62 auf. Wie Ungeziefer schleicht sich der nationalsozialistische Gedanken in jeden Winkel des Landes ein.


Gegenseitiges Misstrauen und Angst kennzeichnen die Zeit. Hakenkreuzschmierereien, Provokationen, Sprengstoffanschläge kennzeichnen den Alltag. Der Anschluss an Deutschland.
Kanonen und Maschinengewehre verkünden den Kriegsausbruch. Wie eine diabolische Grimasse ertönt das „Horst-Wessel-Lied” zum ersten Mal! Als Symbol steht dieses Lied für Unterdrückung, Angst und Kälte.


Grauenhafte Verbrechen gegen die Menschheit werden zum Alltag. Ein Konzentrationslager - weinende Kinder - eine Mutter fl eht um ihre Tochter (Solo-Alt); ein Gewitter zieht auf und Regentropfen umgeben die Melodie eines ländlichen Volksliedes, welches aus der Ferne erklingt. Sie
vermischen sich mit den Schmerzensschreien der Geplagten und dem schrecklichen Lärm herabfallender Bomben.


Ein General der Nationalsozialisten sitzt verklärt in seinem Büro und dreht verzückt an seiner Spieluhr, welche das „Horst-Wessel-Lied” verzerrt wiedergibt und seine kranken Visionen umrahmt.
Als groteske Steigerung bis in den Wahnsinn geleitet uns diese Melodie in das Finale des ersten Teils.

2. Tyrannis

Unerträgliche Spannung liegt in der Luft. Die hölzernen, metrischen Schläge im Schlagzeug vermitteln die Zeit bis zur Exekution der Gefangenen.


Aus der Ferne erklingt die Melodie des ländlichen Volksliedes, welches bis ins Kriegsgefangenenlager dringt, auch den Kriegsdonner kann man vernehmen. Das Lied klingt ab und an seine Stelle tritt nun ein Cluster in den Klarinetten, eine frühe Botschaft auf den immer näher rückenden Krieg.


Kriegsgefangenlager STALAG XVIII C, Markt Pongau:
Nach einer kurzen Pause, einer beklemmenden Phase der Stille, die als Symbol für den Tod angesehen werden kann, steigt der Alt mit den Worten „Rechts von der Bahn” ein und ein Sprecher rezitiert Zeilen aus dem Fragelied von Erich Fried. Ein schauriges Klangmuster nimmt ab. In einem
Gesangsduett werden die Vorgänge im Kriegsgefangenenlager noch einmal beklagt.
Zigeuner (korrekt Roma und Sinti) – mitleidlos verfolgt, verachtet, am Rand der Gesellschaft, ein Schicksal, dem der Juden in vielem vergleichbar.


Mongo Stojka schreibt in seinem Buch „Papierene Kinder”:
„Auf der Hellerwiese in Wien-Favoriten wurden 1941 die familieneigenen Wohnwagen abgestellt. Am nächsten Morgen standen nur noch die leeren Wohnwagen auf dem Platz, die Insassen waren schon in Richtung Konzentrationslager verfrachtet worden.” Das war der Beginn der großen Roma-Deportation in die Vernichtungsstätten des Dritten Reiches.


Ein stiller Protest: „Gelem, Gelem – die Hymne der Roma” Der Kampf gegen die Euthanasie – die Geschehnisse in Schernberg Der Bachchoral „Es spricht der Unweisen Mund wohl” liegt diesem Teil zu
Grunde.


Verzerrungen und Unterbrechungen zeichnen das Bild der behinderten Menschen. Gleichzeitig ist der Choral Synonym für das Handeln von Schwester Anna Bertha von Königsegg. Der Sopran fl eht mit den ersten Tönen des Bachchorals um Gerechtigkeit. Instrumental untermalt tritt der Sprecher hervor – mit allen Fakten der Grausamkeit dieser Zeit.


Die Tragödie in Goldegg Weng (Böndlsee)
Die Söhne auf Heimaturlaub, der desertierende Bauernbursch irgendwo versteckt am Dachboden. Die Gestapo - unterstützt von etwa 1000 Leuten der Waffen SS - fi ndet ihn nicht. Zwei Schüsse erreißen die Stille in der ländlichen Idylle. Es war das Letzte, das die beiden Burschen auf dieser Welt hörten. Acht junge Männer wurden entweder an Ort und Stelle getötet oder sind später in einem Konzentrationslager exekutiert worden.


Weitere fünf Personen sind auf dem Transport gestorben oder in einem Konzentrationslager umgekommen. 18 Frauen wurden verhaftet, 13 davon in ein Konzentrationslager eingewiesen.
Hoffnung auf Befreiung wird durch das ländliche Volkslied musikalisch zum Ausdruck gebracht.

3. Katharsis

Das Ende der Diktatur ist spürbar, eine Brise der Hoffnung durchweht das Land. Die Besatzungsmächte bringen auch ihre Musik mit. Eine neue Bundeshymne steht für den Wiederaufbau.


Der Sopran zeigt noch ein letztes Mal auf die Wunden und dem verdrängten Nationalsozialismus. Alles liegt in unserer Hand, jeden Tag, denn: „Österreich ist frei!”

Epilog

Mit der Symphonie der Hoffnung wird versucht die dramatischen Ereignisse und die damit verbundenen Emotionen jener Zeit musikalisch wiederzugeben.


Die Symphonie der Hoffnung ist allein in ihrer Klangsprache ein Werk der Toleranz, wo verschiedene Genre (verschiedene Ausprägungen von Kunst) sich nicht bekämpfen, sondern ein gemeinsames Ganzes ergeben.


„Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist”.
Victor Hugo, französischer Schriftsteller 1802 – 1885

GEDENKFEIER

im Rahmen des offenen Himmels 2011

Freitag, 14. Oktober 2011
St. Vinzenz-Heim, Schwarzach
• GEDENKGANG
• SEGNUNG DER GEDENKSTÄTTE
• SYMPHONIE DER HOFFNUNG
www.vinzenz-heim.at