Dr. Friedrich Anzenberger (NÖ) ist neuer ÖBV-Präsident

AnzenbergerFriedrich 05 2015

 


Gemeinsam für die Blasmusik

 

 

Liebe MusikkollegInnen, geschätzte Freunde der Blasmusik!

Ich freue mich, dass ich ab Juni 2015 für ein Jahr lang die Präsidentschaft des Österreichischen Blasmusikverbandes übernehmen darf. Es ist eine große Ehre und Herausforderung, an der Spitze eines Verbandes stehen zu können, der sich seit Jahrzehnten sehr erfolgreich um alle Belange unserer Musikkapellen kümmert.

Wenn man mit reifen Musikern spricht, die bereits den 80. oder 90. Geburtstag überschritten haben und die schon in der frühen Nachkriegszeit oder sogar noch in der Zwischenkriegszeit musiziert haben, hört man übereinstimmend, dass sich das Niveau unserer Blasmusikkapellen in den letzten Jahrzehnten überaus stark verbessert hat. Eine einstmals - manchmal nicht ganz zu Unrecht - eher belächelten Musizierform hat eine Qualitätsstufe erreicht, von der frühere Kapellmeister nicht einmal zu träumen wagten.

Sehr erfreulich ist auch das große Interesse der Jugend an der Blasmusik. Waren in den Fünfziger Jahren Jugendliche in Musikkapellen noch im niedrigen einstelligen Prozentbereich, sind heute in viele Kapellen schon nahezu die Hälfte junge Musikerinnen und Musiker. Bei Kammermusik- und Jugendorchester-Wettbewerben sowie bei Leistungsprüfungen kann man sich leicht ein Bild von den hervorragenden Leistungen unserer Nachwuchsmusiker machen und durch qualitativ hochwertige Schulung der Jugendreferenten durch den Blasmusikverband ist eine adäquate Betreuung der Jugend sichergestellt.

In der Politik diskutiert man oft über Frauenquoten; dieses Problem existiert in der heutigen Blasmusik erfreulicherweise nicht. Während noch in den Sechziger Jahren Frauen und Mädchen fast ausschließlich als Marketenderinnen in den Kapellen anzutreffen waren, gibt es heute in manchen Blasmusikkapellen schon mehr weibliche als männliche Mitglieder.

Trotz der erreichten Erfolge gilt es auch für den Österreichischen Blasmusikverband, die Zeichen der Zeit zu erkennen und die Arbeit immer wieder den aktuellen Erfordernissen anzupassen.

Als Absolvent der Studienrichtung Musikwissenschaft gilt mein besonderes Interesse der Blasmusik- und Militärmusikforschung. Da die Materialien des Österreichischen Blasmusikverbandes früher nicht systematisch gesammelt wurden, habe ich 2008 die Gründung des ÖBV-Dokumentationszentrums angeregt, dessen wissenschaftlicher Leiter ich auch bin. Wir zeigen jedes Jahr in unserem Präsentationsraum in Zusammenarbeit mit dem Blasmusikmuseum Oberwölz (Weststeiermark) wichtige Schwerpunkte der Arbeit des Österreichischen Blasmusikverbandes und nehmen auch auf die Jubiläen der Landesverbände Rücksicht. Unsere Online-Fachzeitschrift "Blasmusikforschung" stellt in jeder Ausgabe ein "Objekt des Monats" vor und veröffentlicht Fachartikel zur Blasmusik- und Militärmusikgeschichte. Weitere Arbeiten sind auf meiner Homepage www.anzenberger.info zu finden; dort gibt es auch eine Auflistung aller bisher bekannten Militärkapellmeister der Donaumonarchie.

Im Gespräch mit jungen (oder auch nicht mehr so ganz jungen) MusikerInnen wird immer wieder klar, dass das Wissen um die österreichische Musikkultur, im besonderen auch über die für die Blasmusik besonders wichtigen Zeit der Militärmusik der Donaumonarchie nicht sehr groß ist. Aus diesem Grund plane ich als Schwerpunkt für mein Präsidentenjahr ein Symposium zur Musik der „Hoch- und Deutschmeister“ in der k. u. k. Zeit mit einem „historischen“ Konzert zur Zeit von Carl Michael Ziehrer und mit einer CD mit Originalaufnahmen aus der Monarchie, das am 21. November in Tulln stattfinden wird und zu dem ich alle ganz herzlichen einladen möchte.  Dieses Symposium soll auch dazu beitragen, den Wert der Militärmusik in unserer Zeit wieder aufzuzeigen, um auf diesem Weg auch möglichen (zukünftigen) Einsparungsmaßnahmen einer so wichtigen Kulturgattungen vorzubeugen.

Ganz wichtig ist mir die Zusammenarbeit der Musikerinnen und Musiker sowie der Funktionäre auf allen Ebenen. Daher soll mein Motto für mein Präsidentenjahr lauten: „Gemeinsam für die Blasmusik“.

Existieren kann aber unserer Blasmusik nur durch das wertvolle Engagement unserer MusikerInnen sowie der Funktionäre, die ehrenamtlich sowohl auf Vereins, Bezirks-, Landes- und Bundesebene für ein gemeinsames Ziel arbeiten. Ihnen allen gilt es, an dieser Stelle ein herzliches „Dankeschön“ zu sagen, verbunden mit der Bitte, auch in Zukunft in bewährter Weise für unsere Blasmusik aktiv zu sein!

Dr. Friedrich Anzenberger, ÖBV-Präsident